Kaspar *05.05.2008  †17.12.2020

Lina Oberließen (Tiertrainerin)

 

 

Lieber Kaspar,

mit dir müssen wir nun schweren Herzens den letzten verbliebenen Gründerwolf des Wolfsforschungszentrums verabschieden. Du warst seit der Geburtsstunde des WSCs mit dabei und hast dich mit Leib und Seele der Wissenschaft verschrieben. Mit dir stirbt daher auch ein Stück unserer Geschichte, unserer Wurzeln.

Du warst ein sehr besonderer Wolf, ein starker Charakter, der Zeit seines Lebens die Führungsposition des Rudels bekleidete und diese offensichtlich auch sehr genoss. Trotz deiner Chef-Allüren mochtest du deine Rudelfreunde sehr gerne und sie dich auch. Gemeinsam mit Aragorn und Shima wart ihr ein richtig eingeschworenes Team, das immer zusammenhielt. Leider sind die beiden schon letztes Jahr verstorben. Da du keinen anderen Wolf mehr in deiner Nähe akzeptiert hättest, musstest du deinen Lebensabend leider als einsamer Wolf verbringen.

Wir haben versucht, dir diese Zeit dennoch so angenehm wie möglich zu gestalten. Jeden Tag gab es ein Trainingsprogramm oder einen Test, sodass du deine größte Passion, die Arbeit, bis ganz zum Ende ausleben konntest. Das hat dir immer sichtlich viel Freude bereitet. Dein beispielloser Arbeitseifer hat dir außerdem bei unseren Wissenschaftlern zu größter Beliebtheit verholfen. Auf dich war immer Verlass und niemals hättest du eine Arbeitsaufforderung verschmäht. Zugegeben, der ein oder andere Versuchsapparat ist deiner unbändigen Motivation zum Opfer gefallen. Kein anderer Wolf hat in seinem Leben so viele Stringpulling-Seile geschreddert wie du. Aber wer genug Seile mitbrachte, konnte sich seiner wissenschaftlichen Daten gewiss sein.

Abseits der Arbeit warst du im Bezug auf uns Menschen eher in dich gekehrt und ein kleines bisschen verschroben. Nicht, dass du scheu oder zurückhaltend gewesen wärst, im Gegenteil, aber Nähe und Streicheleinheiten waren einfach nicht deins. So hast du auch schon als junger Wolf beschlossen, dass du mit neuen Menschen nur noch bedingt zusammenarbeiten möchtest. Durch den Zaun trainieren war okay, aber im direkten Kontakt wolltest du keine Hinzukömmlinge haben.

Gesundheitlich ging es dir erstaunlich lange sehr gut. Erst in wirklich hohem Alter kamen nach und nach die Gebrechen. Das Laufen fiel dir schwerer, du konntest nicht mehr so gut hören und auch dein Herz war irgendwann einfach nicht mehr so leistungsfähig. Insbesondere in den letzten Wochen und Monaten, in denen du körperlich immer weiter abgebaut hast, wurdest du aber vom Wesen her sanfter und auch offener uns Menschen gegenüber. Ich persönlich sehe das ein bisschen als dein Abschiedsgeschenk an uns. Letzten Endes durften wir doch noch den Wolf kennenlernen, der sich jahrelang hinter der Arbeitsmaschine versteckt hatte, den echten Kaspar.

Wir werden dich sehr vermissen und du wirst immer einen Platz in unseren Herzen haben. Doch auch wenn du uns fehlst, bin ich mir sicher, dass es dir gut geht, wo auch immer du jetzt bist, wiedervereint mit Taya, Shima und Aragorn.

Leb wohl, kleiner Kaspar und vielleicht sehen auch wir uns eines Tages wieder!

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