Unser Forschungsansatz

Intelligenzleistung und Sozialverhalten von Wölfen und Hunden

Am Wolfsforschungszentrum erkunden wir die Gemeinsamkeiten zwischen Wolf, Hund und Mensch. Unsere Wölfe und Hunde werden von Wissenschaftlern und TrainerInnen handaufgezogen. Sie sind es von Welpenalter an gewöhnt, mit uns zusammenzuarbeiten und in den unterschiedlichsten Testaufgaben Einblick in ihre geistige Welt zu gewähren. Das fördert ihre vertrauensvolle Beziehung zu uns und hält sie mental und körperlich fit.

Forschung am WSC

Im Sinne einer möglichst objektiven Sicht auf Wölfe und der Partnerschaft zwischen Menschen und Hunden erforschen wir, wie sich Hunde in ihren geistigen und sozialen Fähigkeiten von Wölfen unterscheiden.

Ein höchst relevantes und spannendes Forschungsfeld, denn immer noch ist es rätselhaft, worin genau sich Hunde von Wölfen unterscheiden. So hat sich die „klassische“ Vermutung nicht bestätigt, Hunde wären die sanftere und kooperativere Version ihrer aggressiven Wolfsahnen. Und es ist immer noch unklar, warum gerade Wölfe in vielfältiger Hundegestalt zum engsten Tierkumpanen der Menschen wurde. Das mag in den ähnlichen Lebensstilen der beiden Arten als Jäger und Sammler liegen. Wölfe wie Menschen kooperieren gut innerhalb ihrer Klans auf der Jagd, bei der Fürsorge für ihren Nachwuchs, aber auch in teils blutigen Konkurrenzkämpfen mit den Nachbarn.

Viele Menschen wollen wissen, warum und wie aus Wölfen Hunde, und damit zu längstgedienten und engsten Tierkumpanen des Menschen wurden.

Unsere wissenschaftliche Forschung an Wölfen, Hunden und ihren menschlichen Partnern soll  dazu beitragen, diese Fragen immer genauer zu beantworten.

Die zentralen Forschungsfragen:

  • Ist es der  „Wolf im Hund“, der so hervorragend mit Menschen zusammenarbeitet? Oder sind vielmehr die im Prozess der Domestikation neu erworbenen sozialen Fähigkeiten der Hunde dafür verantwortlich? Oder aber ist es ein Gemisch alter und neuer Eigenschaften, ein Anpassen der alten Fähigkeiten an die neuen Notwendigkeiten?
  • Wodurch unterscheiden sich Hunde von Wölfen und was haben sie mit ihnen gemeinsam? Spannend, um auch etwas über uns Menschen zu erfahren, denn schließlich waren unsere Vorfahren die Urheber jener Selektionsbedingungen, die aus Wölfen Hunde werden ließ.
  • Wie hängen die geistigen Leistungen und der Wille und die Fähigkeit zur Zusammenarbeit  von Wölfen und Hunden mit ihren sozialen Beziehungen zusammen, untereinander, oder zu den Menschenpartnern?
  • Und wie hängen die Beziehungen zwischen Hunden und Menschen ab von der frühen Sozialisierung und vom Training der Hunde sowie von den sozialen Eigenschaften des menschlichen Partners?
  • Welche Einstellungen zeigen Menschen zu Wölfen im Vergleich mit Hunden?

 

Zu den aktuellen Untersuchungen im Rahmen dieser Fragestellungen finden Sie hier mehr Informationen.

Um herauszufinden, welche Unterschiede zwischen Wolf und Hund auf eine unterschiedliche genetische Basis zurück zu führen sind, ist es für unsere Forschung überaus wichtig, dass alle Tiere in ihrem Leben dieselben Erfahrungen gemacht haben. Schließlich wollen wir nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Ein Haushund, der seinen Menschenpartner auf Schritt und Tritt begleitet und vielleicht sogar im Bett schläft, entwickelt möglicherweise andere Fähigkeiten, als seine Geschwister, die im Rudel im Gehege leben. Für Wölfe ist ein Zusammenleben mit Artgenossen unumgänglich.

Weil wir also unsere Wölfe nicht direkt mit privat gehaltenen Hunden vergleichen können, ist es sehr wichtig, dass wir unsere Hunde möglichst gleichartig zu den Wölfen aufziehen, halten und trainieren.

Für unsere Forschung benötigen wir Partnertiere, die in Gegenwart von Menschen entspannt und konzentriert arbeiten können. Nur so können die Tiere ihr volles geistiges Potential zeigen.
Da Wölfe von Natur aus scheu sind, ziehen wir Welpen etwa ab dem 10 Tag nach ihrer Geburt – bevor sie die Augen öffnen – von Hand mit der Flasche auf. Nur so entwickeln Wölfe jenes Grundvertrauen, das ihnen später erlaubt, mit bekannten Menschen entspannt zusammenzuarbeiten. Während der Aufzuchtzeit haben die Welpen auch regelmäßig Kontakt zu gut sozialisierten Hunden und den anderen Wölfen und nach ein paar Monaten werden die Wolfswelpen in die bestehenden Wolfsgruppen integriert. Das gelingt meistens aber nicht immer. Die Wölfe haben immer das letzte Wort, mit wem sie leben wollen.

Dass Menschen unseren Wölfen keinen Stress verursachen, erleichtert auch ihren Alltag im Wildpark. Unsere Wölfe haben kein Problem mit beobachtenden Besuchern, lauten Kindern oder bellenden Hunden vor ihrem Gehege.

Hunde müsste man natürlich nicht von Hand aufziehen. Aber im Interesse der Vergleichbarkeit der Ergebnisse, versuchen wir, unsere Wölfe und Hunde möglichst gleich zu behandeln. Aus diesem Grund ziehen wir auch die Hundewelpen genau so mit der Flasche groß, wie die Wölfe.

Von erfahrenen Wolfshaltern bekamen wir den Hinweis, dass amerikanische Grauwölfe besser in Gefangenschaft zu halten sind und etwa weniger Scheu vor dem Menschen zeigen, als die bei uns heimischen europäischen Wölfe. Daher haben wir uns anfangs entschieden, es mit diesen Wölfen zu versuchen und der Erfolg gab uns recht.

Woher unsere Tiere kommen und warum sie nicht kastriert sind.

Unsere Wölfe stammen aus Zoos und Tierparks aus Kanada, USA, Russland, Österreich, Schweiz und Deutschland. Unsere Hundewelpen stammen sowohl aus ungarischen Tierheimen, als auch aus eigener Nachzucht.

Um eine möglichst breite genetische Vielfalt zu gewährleisten haben wir Tiere aus unterschiedlichen Abstammungen unter unseren Hunden und Wölfen. Wir wollen ja nicht nur eine Hundefamilie mit einer Wolfsfamilie vergleichen sondern ganz allgemein den Hund  mit dem Wolf. Aus diesem Grund haben wir auch Mischlingshunde und keine reinrassigen Tiere.

Im Zusammenhang mit den freilebenden Wölfen in Österreich und in Europa werden viele Fragen an uns gerichtet.

Im Wesentlichen vertreten wir die Positionen des Grundsatzpapiers zum Wolfsmanagement in Österreich der Koordinierungsstelle für den Braunbären, Luchs und Wolf (2012). Wolfsmanagement in Österreich. Grundlagen und Empfehlungen. Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie, Veterinärmedizinische Universität Wien. Das Dokument können Sie hier herunterladen.

Falls Sie weitere Fragen zu freilebenden Wölfen haben, bitten wir Sie Dr. Georg Rauer (Wolfsbeauftragter; Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie) zu kontaktieren: georg.rauer@fiwi.at

Wenn Sie mehr über die Forschung am Wolfsforschungszentrum, die Aufzucht und das Training mit den Tieren erfahren wollen, besuchen Sie doch eine unserer Führungen oder andere Besucherprogramme. Mehr Infos dazu finden Sie hier.

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