Zurück zu Hause

Corinna Kratz

17.05.2019

 

1. Juni 2014. Ein wundervoller, sonniger Frühlingstag, der Tag, an dem mein Leben eine neue Richtung eingeschlagen hat. Warum? Ich wollte meine Semesterferien sinnvoll nutzen und absolvierte ein 3-monatiges Praktikum am Wolfsforschungszentrum in Ernstbrunn. Damals, ohne dass ich mir dessen bewusst war, begann meine kleine Karrierelaufbahn am WSC und darüber bin ich überglücklich. Zwei Wochen nach meiner Ankunft, änderte sich mein Leben grundlegend. Drei zuckersüße, 8 Wochen alte Hundewelpen von Layla, einer Hündin am WSC, suchten ein Zuhause. So nahm ich, zugegeben ziemlich spontan, den Rüden Zazu zu mir. Seit 5 Jahren ist er mein treuer Begleiter und der lustigste Kerl, den ich kenne. Es war ein wunderbarer Sommer für eine junge Biologiestudentin. Sowohl die Arbeit mit den Wölfen und Hunden, als auch die ausgiebigen Gespräche mit den Trainern/-innen, haben mich fasziniert. Und so bin ich Anfang 2016 ans WSC zurückgekehrt, um meine Masterarbeit hier zu schreiben. Weitere 8 Monate, die mein Leben intensiv geprägt haben. Ich durfte die Tiere noch besser kennenlernen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Wolf und Hund entdecken, aber auch individuelle Eigenschaften der Tiere erfahren.

Irgendwann war die Masterarbeit jedoch geschrieben und meine Zeit in Ernstbrunn näherte sich dem Ende. Was nun?! Sollte ich die wissenschaftliche Karrierelaufbahn einschlagen oder gab es da doch etwas anderes für mich? Während der Monate am WSC durfte ich etwas Wichtiges über mich lernen. Forschung ist super spannend und notwendig, deswegen bin ich ja auch Verhaltensbiologin geworden. Aber was mich staunen lässt, was mich wirklich berührt, ist die hingebungsvolle Arbeit der Trainerinnen mit den Wölfen und Hunden. Ich durfte erkennen, dass die kostbare Bindung und das Vertrauen zwischen Trainer und Tier ausschlaggebend für die Durchführung wissenschaftlicher Tests sind, besonders im Hinblick auf die Wölfe. Das wertvolle, unsichtbare Band zwischen Trainer und Wolf/ Hund ist die Basis für die meisten Studien, medizinische Untersuchungen sowie touristische Attraktionen, wie z.B. ein Wolfsspaziergang, am WSC. Die leidenschaftliche Arbeit der Trainer-/innen am WSC hat mich dazu inspiriert selber Tiertrainerin zu werden. Ich habe eine Ausbildung als Hundetrainerin gemacht und mich nach Abschluss dieser erneut am WSC beworben, diesmal allerdings als Trainerin. Tatsächlich ist mein Traum wahr geworden. Seit April 2019 bin ich zurück und darf mich als Trainee Trainerin beweisen. Ich hoffe aus tiefstem Herzen, dass ich mich den Wölfen und Hunden als würdig erweise und selbst eine vertrauensvolle Beziehung zu Ihnen aufbauen darf. Auf diesem Weg kann und möchte ich dem WSC, seinen Mitarbeitern, die mich immer so liebevoll aufgenommen haben und auch den Tieren etwas von meiner Dankbarkeit zurückgeben. Ich bin mir bewusst, dass es ein sehr langer und mit Sicherheit auch anstrengender Weg wird, bis ich mich hoffentlich irgendwann als Wolfstrainerin bezeichnen darf. Aber ich bin ganz sicher, dass es das wert sein wird. Ich freue mich wahnsinnig auf die kommende Zeit und genieße jeden einzigen Moment mit vollem Bewusstsein.

Das Wolfsforschungszentrum hat mich komplett in seinen Bann gezogen. So ist also aus der Bachelorstudentin die neue Trainee Trainerin geworden. Kein Happy End, sondern ein grandioser Anfang in ein neues Abenteuer! Und eines kann ich mit Sicherheit sagen, beim ersten Wolfsheulen wusste ich, ich bin zu Hause.

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