Meine Dreifaltigkeit des Hundetrainings

Stefanie Jernej (Praktikantin)

02.02.2021

 

August-September-Oktober-November-Dezember-Jänner … 6 Monate voller Abwechslung

Ein halbes Jahr, sechs Monate, 184 Tage … auf den ersten Blick denkt man sich, das ist so ein langer Zeitraum. Dann beginnt man und tut und macht und es beginnt zu laufen und irgendwann entwickelt sich dann so eine Eigendynamik und am Ende ist es dann einfach viel zu schnell vorbei. So ist es mir bei der Datenaufnahme für meine Masterarbeit gegangen.

Ich möchte hier nun ein paar Gedanken und persönliche Tipps von mir bezüglich Hundetraining mit euch teilen.

Die drei wichtigsten Eigenschaften, die man mitbringen muss, sind: Ausdauer, Geduld und Anpassungsfähigkeit.

Wie ich das meine, möchte ich euch gerne anhand von meinem Training, welches ich mit den Trainerhunden absolviert habe, erklären. Im Rahmen meines Trainings mussten die Hunde, acht Stück an der Zahl, eine für sie völlig neue Aufgabe erlernen. Da es unter den Privathunden der Trainerinnen viele ehemalige WSC Hunde gibt, haben sie natürlich bereits viele Erfahrungen mit neuen Situationen und vor allem Lernen gemacht. Sehr spannend ist es die unterschiedlichen Charaktere und Herangehensweisen beim Training zu beobachten. Der eine ist total aufgeregt und unrund fast schon übermütig vor lauter Freude auf das bevorstehende Training, der andere sieht der ganzen Sache wesentlich gelassener entgegen. Ich muss sagen, es freut mich sehr und da bin ich auch ein bisschen stolz drauf - allen Hunden hat das Training mit mir sehr viel Freude bereitet und sie haben gerne und mit großer Begeisterung mitgemacht.

Ausdauer… sechs Monate an Training, bis es am Ende vier von acht geschafft haben das Training erfolgreich zu absolvieren. Das ist das Ergebnis, ganz neutral betrachtet. Der pessimistische Betrachter würde jetzt vermutlich sagen: was, nur die Hälfte hat es geschafft? Der optimistische Betrachter würde das ganze etwas euphorischer formulieren, unglaublicherweise war es vier von acht Hunden möglich das sehr hoch gesteckte Trainingsziel, die Lösung dieser äußerst komplexen Aufgabe, zu erreichen.

Geduld… der eine ist das totale Arbeitstier, vermenschlicht wohl auch Streber genannt, der schon voller Ungeduld wartet, bis denn dann doch irgendwann einmal alles endlich fertig aufgebaut und vorbereitet ist, nach einer gefühlten Ewigkeit, die in der Realität natürlich nur wenigen Minuten entspricht, geht es dann endlich los. Der andere nimmt sich die Zeit, die er braucht, checkt einmal die Lage ab, schnüffelt das gesamte Gehege ab, hinterlässt die ein oder andere eigene Duftnote, um ein Statement für die nach ihm folgenden zu hinterlassen. Der feinen Hundenase entgeht natürlich kein einziges übersehenes Leckerli, das sich irgendwo im hintersten Winkel versteckt hat. Wenn dann alle neuen Eindrücke aufgenommen und verarbeitet sind, dann kommt doch noch der Arbeitswille zum Vorschein und es darf dann, wenn die Herrschaften bereit sind, mit dem Training begonnen werden. Hier bringt es nichts ungeduldig zu werden und den Hund zu früh dazu bringen zu wollen mitzuarbeiten und zu trainieren, denn es wird nicht den gewünschten Erfolg bringen, wenn die Aufmerksamkeit und die Lernbereitschaft noch nicht vorhanden sind. Daher take your time und das Ergebnis wird wesentlich besser sein, als wenn man auf Biegen und Brechen etwas erreichen will.

Anpassungsfähigkeit… acht Hunde, acht Charaktere, acht unterschiedliche Trainings- bzw. Lerntypen. Man muss sich auf jeden individuell einstellen und schauen, dass man das Training so adaptiert und anpasst, dass es für jeden so gut wie möglich passt und keiner das Gefühl hat, es ist fad, das macht keinen Spaß, ich finde das blöd und will nicht mehr mitmachen. Dieser Punkt sollte unbedingt versucht werden zu vermeiden. Es gab zwei Hunde in meiner Trainingsgruppe, die nicht bis zum Schluss mitgemacht haben, aber für die beiden hätte es einfach keinen Sinn gemacht. Denn wenn der Hund keinen Sinn darin sieht die Aufgabe zu lösen, wenn dann vielleicht nur mit dir gemeinsam, was in unserem Setup und der Aufgabenstellung nach nicht möglich war und dann einfach aufgibt resigniert und gar nichts mehr macht, dann macht es auch keinen Sinn mehr weiter zu trainieren. Jeder hat seine Stärken und Schwächen und es muss nicht jeder alles können, das ist bei Menschen so und genauso auch bei Hunden.

Somit meine Take-Home-Message für alle Hundebesitzer und natürlich auch die die es noch werden wollen, lasst euch nicht entmutigen. Gut Ding braucht Weile. Dieses Sprichwort trifft auch zu 100 % auf das Hundetraining zu. Wenn man sich wirklich darauf einlässt, ist es eine absolute Bereicherung für beide Seiten. Nicht nur, dass es die Hunde genießen, wenn man gemeinsam mit ihnen Zeit verbringt und an neuen Aufgaben, Tricks, Problemen und Übungen arbeitet und ganz nebenbei auch die Bindung und das Vertrauen im Mensch-Hunde-Team gestärkt und gefördert werden. Sondern auch der Mensch erweitert und verbessert seine Softskills, was sowohl im zwischenmenschlichen Umgang als auch in der Arbeitswelt durchaus von Vorteil sein kann.

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