Guerrilla Gassi

Daniel Rivas Blanco (Praktikant)

30.04.2020

 

Wie vermutlich die meisten unserer Leser, hält mich die COVID-19 Pandemie (oder besser gesagt die damit verbundenen Maßnahmen) davon ab, meinen Arbeitsplatz, das Wolfsforschungszentrum, aufzusuchen. Zumindest physisch kann ich derzeit nicht anwesend sein und verbringe meine Tage mit Datenmanagement im Home-Office.

Heute möchte ich ausnahmsweise, anstatt über unsere geliebten Caniden am WSC zu schreiben, ein paar Geschichten von meinen Landsleuten in Spanien erzählen. Die ersten Tage der Quarantäne sind vergegangen und die Menschen haben durchaus kreative Wege gefunden, damit umzugehen.

Die Coronakrise trifft Spanien deutlich härter als Österreich und daher mussten noch strengere Maßnahmen ergriffen werden, um das Virus einzudämmen. Kurz gesagt, es ist strikt untersagt das Haus zu verlassen, mit wenigen Ausnahmen wie Nahrungsmittel einzukaufen oder zur Apotheke zu gehen. Auch im Supermarkt gelten strenge Regeln. Die Menge der Personen ist stark eingeschränkt und in Privatautos dürfen nur die Fahrer selbst, ohne weitere Passagiere, unterwegs sein.

Es gibt allerdings eine wichtige Ausnahme. Solange man die Regeln des „social distancing“ einhält und sich nicht zu weit von seinem Wohnhaus entfernt, darf man mit dem Hund spazieren gehen. Die freiheitsliebenden Spanier haben dieses Schlupfloch natürlich sofort entdeckt und nützen jede Chance, den Hausarrest zu umgehen. So wurde das Gassi gehen während dieser sonderbaren Umstände zum neuen Lieblingshobby der Spanier.

Man könnte ankreiden, dass die Hunde als Vorwand benutzt werden hinauszugehen. Allerdings denke ich, dass die meisten Hunde diesen neuen Job durchaus genießen. Vermutlich ist es wie bei uns Menschen auch, einige würden dennoch lieber die gesamte Quarantäne verschlafen.

Leider hat nicht jeder Spanier einen Hund.  Da es aber auch erlaubt ist, fremde Hunde auszuführen, haben einige Leute ihre Hunde ausgeborgt (ungeachtet der möglichen Gefahr einer Kontamination). Andere haben sogar einen Hundevermietungs-Service als Einnahmequelle erdacht. Manche Spanier gingen sogar noch einen Schritt weiter: Ein Mann in Palencia wurde gesehen, wie er einen Plüsch-Hund ausführte. Wie er denken konnte, dass er damit die Maßnahmen umgehen könnte, entzieht sich meinem Verständnis.

Natürlich waren Hunde (lebensechte oder plüschige) nicht die einzigen Tiere, die in den letzten Tagen lange Spaziergänge genießen durften. In Girona wurde ein Mann dabei beobachtet, wie er eine Ziege ausführte und ein anderer Herr in Lanzarote erfreute sich an einem Spaziergang mit einem Huhn. Derartige Aktionen zeigen eine eigenartige Kombination von menschlichem Einfallsreichtum, gepaart mit einem Mangel an Einsicht in die Ernsthaftigkeit der Situation und einem damit verbundenen Leichtsinn.

Ein weiterer Spezialfall war ein Mann, der als Hund verkleidet und auf allen Vieren durch die Straßen spazierte. An diesem Punkt drängt sich die Frage auf, ob solche Ideen auch als Statement zu den strengen Regulationen gesehen werden können oder ob es sich um reine Blödeleien handelt. Ich persönlich denke, es handelt sich um Letzteres.

Wie auch immer, alle der erwähnten Vorfälle wurden mit einer Strafe geahndet. Auch wenn ich Aktionen wie diese eigentlich nicht befürworten kann, muss ich zugeben, dass ein wenig Belustigung und Heiterkeit in einer ansonsten eher schwermütigen Zeit durchaus erfreulich ist.

Zum Nachlesen liste ich hier gerne noch die erwähnten Vorfälle auf. Sie haben sich tatsächlich alle so zugetragen, ob man es glauben möchte oder nicht.

 

https://www.france24.com/en/20200319-walking-the-dog-a-get-out-of-jail-card-in-lockdown-spain

https://www.newsweek.com/coronavirus-spain-quarantine-walk-toy-dog-1493193

https://www.catalannews.com/society-science/item/walking-the-goat-not-an-excuse-for-leaving-the-house-say-police

https://murciatoday.com/fined-for-walking-his-chicken-in-lanzarote-in-breach-of-lockdown-regulations_1370248-a.html

https://bloomencer.com/animals/man-disguises-himself-as-dog-to-avoid-being-fined-in-quarantine-for-coronavirus/

 

Wie dem auch sei, ich möchte diese Gelegenheit nützen um dem Trainer Team (und der Tierpflegerin, natürlich) zu danken, dass sie sich um alle notwendigen Dinge kümmern und die Tiere am Wolfsforschungszentrum bestmöglich versorgen.

Liebe Leser, bitte bleibt gesund, wascht euch die Hände und bleibt verbunden mit euren Liebsten. Lasst die physische Distanz nicht zu einer Emotionalen werden und, in erster Linie, überfordert eure Hunde nicht!

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