Der „grand gris monsieur“ unter den Wölfen

Elisabeth Bittermann

20.08.2019

 

Abseits der öffentlich zugänglichen Besucherbereiche des WSC, in einem ruhig gelegenen Gehege, lebt Aragorn. Mit ihm und seinen Rudelkumpanen hat alles angefangen, mit den Wölfen des “Black Packs“, des schwarzen Rudels. Als das Wolfsforschungszentrum 2008, in Grünau im Almtal, auf dem Gelände der Konrad Lorenz Forschungsstelle gegründet wurde, bildeten 4 schwarze Wolfswelpen sozusagen das Pionierrudel. Es bestand aus zwei Wölfinnen und zwei Wolfsrüden.

Mittlerweile leben leider nur mehr die „Black Street Boys“ (Copyright Kathi 😉), die beiden Rüden, die mit elf Jahren bereits ein stattliches Alter erreicht haben, denn in freier Wildbahn werden Wölfe in etwa zehn Jahre alt. Einer dieser Rüden ist Aragorn, der „grand gris monsieur“ der Zentrumswölfe. Er ist der größte der WSC Wölfe. Aufgrund seines fortgeschrittenen Alters ist er bereits sehr stark ergraut, denn auch die Pigmentierung des Wolfsfelles ist altersbedingten Veränderungen unterworfen.

Vor einiger Zeit durften wir, Studenten und Praktikanten, natürlich in Begleitung von Trainern, die auch schon als Hand-Aufzieher des Black Packs dabei gewesen waren, Aragorn in seinem Gehege einen Besuch abstatten. Es zeigte sich allerdings, dass es gar nicht so leicht war ihn auf uns aufmerksam zu machen. Während Kaspar sofort am Zaun auftauchte, als er uns näherkommen hörte, blieb Aragorn unsichtbar. Denn nicht nur sein Fell ist altersbedingt ergraut, auch sein Gehör hat in den letzten Jahren stark nachgelassen, so wie auch sein Sehvermögen. Außerdem hält er besonders an heißen Tagen gerne das eine oder andere längere Schläfchen in seinem Unterstand oder an einem anderen versteckten, schattigen Platz im Gehege. Er ist eben schon ein alter Herr, der genauso wie wir Menschen gewisse körperliche Alterungsprozesse durchläuft.

Schließlich gelang es aber den Trainerinnen doch nach längerem Rufen in allen möglichen Tonlagen und Lautstärken “Monsieur Wolf“ hervorzulocken. Langsamen und gemessenen Schrittes kam er näher und absolvierte wie ein Junger eine „Paw“ Runde, gab also allen, die es gerne wollten, die Pfote und holte sich seine Belohnungen von Marianne, der leitenden Trainerin des WSC. Denn Aragorn liebt Fleisch und freut sich immer, wenn er damit für seine Arbeit belohnt wird. Sein Geruchssinn dürfte übrigens noch nicht allzu sehr unter seinem Alter gelitten haben, denn er blieb immer in Mariannes Nähe und seine Nase hing förmlich an ihrer Futter-Tasche.

Es war ein schönes Erlebnis Aragorn einmal so nahe sein zu dürfen und ihm die “Pfote zu schütteln“! Bedingt durch seine Krallen, seine Kraft, sein Gewicht und die schon etwas verminderte Treffsicherheit, war es zwar nicht ganz schmerzfrei, aber wirklich berührend!

 

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