Aktuelle Forschungsprojekte

Warum jagen Wölfe in Gruppen? Hat sich der Hormonhaushalt der Hunde durch die Domestikation verändert? Sind Wölfe sozial unabhängiger als Hunde?

Diesen und anderen Fragen gehen wir im Rahmen unserer Forschungsprojekte nach. Viele dieser Projekte sind durch Fonds gefördert, was die jahrelange Forschung erst ermöglicht.  

 

Viele Forschungshypothesen gehen davon aus, dass Hunde durch die Domestikation toleranter und kooperativer in der Zusammenarbeit mit Menschen und Artgenossen wurden. Wenn wir allerdings das vorhandene Wissen über wilde und frei lebende Hunde vergleichen, könnte man zu einem anderen Schluss kommen. Wölfe sind von kooperativer Jagd und Jungenaufzucht abhängig. Das gesamte Rudel kümmert sich jedes Jahr um die Ernährung des Nachwuchses. Hunde hingegen zeigen wenig Fürsorge für die Welpen anderer Hundemütter und ernähren sich hauptsächlich von Abfällen, die sie beim alleinigen umherstreifen finden. Diese Veränderung ihrer Sozioökologie könnte zu einem Verlust an Kooperationsfähigkeiten geführt haben.

Das ERC-CanCoop Projekt hat diese Ideen getestet, indem wir intra- und interspezifische Kooperation, aber auch Futtertoleranz, die Reaktion auf Ungleichbehandlung und prosoziales Verhalten bei Hunden und Wölfen im Wolfsforschungszentrum verglichen haben. Wir konnten herausfinden, dass Wölfe in einem Seilziehversuch erfolgreicher mit Artgenossen kooperieren, als Hunde. Kooperation war allerdings bei Hunden und Wölfen einfacher, wenn die zwei Versuchstiere in einer engen Beziehung zueinander standen (Link zur Publikation). Wölfe sind auch mit einer Futterquelle, wie etwa einem Kadaver, toleranter gegenüber Artgenossen als Hunde (Link zur Publikation). Bei den Wölfen bekommt auch ein rangniedrigeres Tier ein Stück vom Kadaver. Bei den Hunden hingegen, versuchen die rangniedrigeren Tiere, Konflikte zu vermeiden und versuchen daher gar nicht erst, in die Nähe des Kadavers zu kommen. Auch wenn es um Futter geht, ist die Beziehung zwischen den beiden Tieren wieder sehr wichtig. Partner, die in einer engeren sozialen Beziehung zueinander stehen, tolerieren sich gegenseitig mehr rund um eine Futterquelle. Hunde und Wölfe reagieren gleich negativ auf ungleiche Behandlung (Link zur Publikation) wenn ein Mensch sie bittet, etwas zu tun und einen Partner mehr belohnt als den anderen. Auch in diesem Fall spielt der Rang der Tiere eine Rolle. Ranghöhere Tiere reagieren stärker auf Ungleichbehandlung, als rangniedere Tiere.

Fasst man all diese Ergebnisse zusammen, legen sie nahe, dass Kooperation eine wesentliche Rolle im Leben der Wölfe spielt und durch Domestikation manche der damit verbundenen Fähigkeiten verloren gingen oder die Motivationsfaktoren speziell im Hinblick auf Kooperation mit Artgenossen verloren gingen. Wir behaupten daher, dass diese Ergebnisse aufzeigen, wie wichtig es ist, die Sozio-ökologie einer Art zu berücksichtigen. Zukünftige Studien sollten ihre Forschungen daher auch auf frei lebende Populationen ausweiten.

 

Domestikation hat dazu geführt, dass sich Hunde von Wölfen in einem Mosaik mentaler, physiologischer und verhaltenstechnischer Parameter voneinander unterscheiden.
Diese Unterschiede können anhand der Reaktion der Hunde und Wölfe auf ihre Umwelt beobachtet werden. Es ist bekannt, dass das autonome Nervensystem (ANS) die Grundlage für Instinktverhalten, wie Flucht oder Kampf und die Regulierung emotionaler Reaktionen bietet - es ist also essentiell, um auf die Umwelt reagieren zu können.

In wie fern Domestikation die Funktion des ANS beeinflusst hat, wurde bis jetzt noch nicht hinreichend erforscht. Eine vorhergehende Studie hat mittels Untersuchung der Herzschlagraten Unterschiede zwischen dem ANS von Hunden und Wölfen gefunden: Wölfe haben stärker auf Umwelteinflüsse reagiert als Hunde (sie hatten eine höhere Herzschlagvariabilität) aber Hunde wiesen eine höhere Basisaktivität als Wölfe auf (höhere Herzschlagrate, geringere Herzschlagvariabilität). 
Das Ziel dieses Projekts ist es, den Einfluss der Domestikation auf die ANS Modulation während unterschiedlicher emotionaler Zustände in unterschiedlichen Situationen und Kontexten heraus zu finden.

 

Der eigene Ruf ist einer der Grundpfeiler sozialer Interaktionen bei Tieren, die in Gruppen leben und könnte wichtig für Kooperation sein. Direkte oder indirekte Erfahrungen (z.B. Beobachten, Belauschen, etc.) können den eigenen Ruf beeinflussen. 

In diesem Projekt möchten wir untersuchen, ob Wölfe und Hunde die vorherigen Interaktionspartner ihrer Partner (Menschen oder Artgenossen) mit einberechnen, wenn sie mit ihnen interagieren. Die experimentellen Untersuchungen zu diesem Projekt werden hauptsächlich am WSC durchgeführt, aber auch am Clever Dog Lab in Wien, um Hunde vergleichen zu können, die unter unterschiedlichen Umständen aufwuchsen und gehalten werden. Dadurch können wir verschiedene Domestikationshypothesen testen und herausfinden, ob Hunde und Wölfe Unterschiede in diesen sozialen Fähigkeiten aufzeigen. Die Ergebnisse der Studie könnten unser Verständnis der Domestikation und der Evolution der Kooperation erweitern. 

 

Menschen und Hunde verbindet eine lange Geschichte der Gemeinschaft, Kooperation und höchstwahrscheinlich auch Co-Evolution.
Basierend auf Erkenntnissen, dass ein spezielles Neurohormon - das Oxytocin - eine wichtige Rolle bei der Bildung sozialer Beziehungen und von kooperativem Verhalten spielt, untersuchen wir die Beziehungen von Hunden und Wölfen mit menschlichen Partnern mittels Verhaltensbeobachtung und hormonellen Werten.
Wir nehmen an, dass das Oxytocinsystem sich im Laufe der Domestikation verändert hat und erwarten daher, in unterschiedlichen experimentellen Ansätzen, Unterschiede zwischen Wolf und Hund zu finden.

 

Das Ziel des Projekts ist, den Einfluss der Domestikation und menschlicher Sozialisation auf die Problemlösungsfähigkeiten von Hunden zu untersuchen. Wir vergleichen dafür zwei eng verwandte Arten, Hunde und Wölfe und Hundegruppen mit unterschiedlichen sozialen Erfahrungen.

Mit sozialen und physikalischen Kognitionsaufgaben untersuchen wir:

1. ob Domestikation die Fähigkeit der Hunde im sozio-kognitiven oder physikalischen Bereich verändert hat. Wir vergleichen dafür Hunde und Wölfe, die gleichartig am WSC aufgezogen wurden.

2. in welchem Ausmaß diese Fähigkeiten durch die sozialen Erfahrungen der Hunde mit Menschen beeinflusst sind. Wir vergleichen dafür Hunde, die sich in diesem Punkt unterscheiden: z.B Haushunde, die permanent mit ihren menschlichen Partnern leben, WSC Hunde mit täglichem Kontakt zu Menschen, die aber in Rudeln leben und frei laufende Hunde, die von Menschen unabhängig und unbeschränkt leben.

Am Wolf Science Center befindet sich das größte Laufband der Welt, das für Tiere gebaut wurde. Es ist 10 Meter lang und 2,5 Meter breit. Es wurde speziell für uns entworfen, um einem ganzen Hunde- oder Wolfsrudel oder einem Wolf oder Hund mit einem menschlichen Partner zu ermöglichen, darauf zu laufen.

Derzeit sind wir mit den Tieren noch in der Trainingsphase, nehmen aber auch schon Daten auf. Hunde und Wölfe werden darauf trainiert, auf dem Laufband zu trotten. Das ist für unsere Tiere eine ziemlich schwere Aufgabe. Ein Tier kann ein paar Monate bis zu 3 Jahre benötigen, um mit dem Training fertig zu sein. Dieses aufwändige Training bietet uns allerdings die einzigartige Möglichkeit, die Physiologie und das Verhalten unserer Tiere im Training zu beobachten. Nach der Trainingsphase wollen wir mit dem Laufband-Projekt unter anderem erforschen, in wie weit soziale Beziehungen beeinflussen, ob Wölfe oder Hunde gemeinsam laufen, wie kooperativ sie mit menschlichen Partnern laufen und welche Energetik des Laufens diese hoch spezialisierten, sozialen Laufjäger aufweisen.

 

In Rahmen dieses Projekts lernen unsere Wölfe und Hunde, zwei unterschiedliche Symbole entweder mit zwei gleichwertigen Belohnngen (zwei Stück Trockenfutter) or zwei Belohnungen die unterschiedlich viel wert sind (Trockenfutter und Fleisch) zu verbinden. Die zwei Belohnungen werden in zwei aneinander liegenden Abteilen außerhalb des Raumes mit dem Touchscreen angeboten.

Da die meisten unserer Tiere Fleisch viel lieber haben, als Trockenfutter, sollten Sie nach einigem Training das Symbol präferieren, welches Fleisch repräsentiert.
In unserem Versuchsseznario, ist die Tür zwischen den beiden Belohungsabteilungen geschlossen. Das Tier hat somit keinen Zugang zur zweiten Belohnung. Statt dessen ist ein Partnertier in dem anliegenden Raum und erhält dadurch das Fleisch oder das Trockenfutter. Für die Versuchstiere bedeutet das, dass es für sie persönlich keinen Unterschied macht, welches Symbol sie auswählen. Sie erhalten in beiden Fällen nur Trockenfutter. Das Partnertier jedoch, das im angrenzenden Abteil ist, erhält entweder Trockenfutter oder Fleisch.

Wir vermuten, dass die Tiere ihre Präferenz für Fleisch in einer sozialen Testsituation mit Partner eher vermindern werden als wenn kein anderes Tier im Abteil nebenan ist. Sie würden so verhindern, im Vergleich zu ihrem Partner schlechter gestellt zu werden.  

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