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Tagebucheintrag, 29.12.2009, guest
Das Wetter meint es gut mit den Wölfen und auch mit uns, denn seit Tagen herrscht strahlender Sonnenschein. Fast könnte man meinen, dass sich schon der Frühling in Ernstbrunn ankündigt. Nur in der Nacht friert es noch, sodass sich an der Wasserstelle immer wieder Eis bildet.
Die Wölfe hatten über Weihnachten ein paar freie Tage, es wurden keine Experimente und keine Tests durchgeführt. Umso größer war der Spaß beim täglichen Training mit Zsófia und Kurt; auch Bolita hatte einmal wieder Gelegenheit, ausführlich mit den Welpen zu spielen.
Wir nützten die Zeit und die Ruhe, um einige standardisierte Spaziergänge durchzuführen. Die Freude über den zusätzlichen Auslauf war groß, keiner wollte nach einer halben Stunde so recht nach Hause gehen. Speziell Yukon wäre viel lieber in den Wald gelaufen um ein paar Mäuse (oder Rehe?) zu jagen. Schließlich fand sie ein interessantes Holzstück, das sie ins Gehege mitnehmen durfte und um das sie sich mit den anderen stritt.
Geronimo wirkte im Abendsonnenschein so schön und selbstbewusst wie sein berühmter Namensvetter. Selbst Apache war keineswegs ängstlich, als er als einziger Wolf, nur mit zwei Menschen und einem Hund als Begleitung, das Gehege verließ. Dafür durfte er auf der Wiese unterm Schloss noch ein wenig länger schnüffeln und spielen. Auch die anderen Wölfe finden in den gerade aufgetauten Laubschichten eine Menge spannender Gerüche, sodass immer etwas länger dauert, bis sie bei der richtigen Stecke oder wieder im Gehege angekommen sind. Nur Cherokee ist ein wenig bequem; er betrachtet die Welt lieber im sitzen als herumzulaufen und zu schnüffeln, wie es die anderen so gerne machen.
Heute Nachmittag durfte Kaspar mit Kurt und zwei Besuchern spazierengehen. Das Rudel heulte natürlich besonders lang und laut, während ihr Alphawolf nicht bei ihnen war. Nach alter Wolfsmanier hinterließ er Duftspuren an allen wichtigen Punkten. Dazwischen lief er in gemütlichem Trab, und die Menschen hatten fast Schwierigkeiten, ihm zu folgen.
Weil auch die Tiere über die Feiertage ein wenig an Gewicht zugelegt haben, wurde die nächste große Fütterung auf morgen verschoben. So gab es nur noch die eine oder andere Hand voll Trockenfutter für alle, damit ging ein sehr erholsamer Tag für uns alle zu Ende.