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Tagebucheintrag, 18.01.2012, Zsófia Virányi
Montag Nacht ist das passiert, was wir bereits lange erwartet haben. Was wir lange befürchtet haben. Vor allem befürchtet haben. Aber manchmal, an schlechten Tagen, haben wir es uns auch irgendwie erhofft – ihm zuliebe.
Cherokee starb Montag Nacht.
Er war epileptisch. Praktisch sein ganzes Leben lang - beinahe 2 Jahre. Die ersten Anfälle kamen als er noch nicht einmal ein halbes Jahr alt war. Fünf davon innerhalb einiger Stunden. Wir waren sehr besorgt, die veterinärmedizinischen Untersuchungen ergaben damals keine Abnormalitäten, die der Grund dafür sein könnten. Apache, sein Bruder, zeigte im gleichen Alter ähnliche Symptome, aber glücklicherweise in einer schwächeren Form. Wir akzeptierten, dass wir es vermutlich wieder (wie in Taya's Fall) mit einem vererbten Problem zu tun hatten und versuchten alles zu tun um die Anzahl der Anfälle zu reduzieren und Cherokee ein gutes Leben im Rudel zu ermöglichen.
Dr. Ákos Pákozdy und Dr. Michael Leschnik von der Veterinärmedizinischen Universität Wien untersuchten und behandelten ihn und folgten seiner Entwicklung laufend. Mit Hilfe von Beruhigungsmittel war es möglich die Anfälle mehr oder weniger unter Kontrolle zu halten, aber Chero war nicht richtig bei uns. Er war langsamer als die anderen, weniger empfindsam, zeigte längere Reaktionszeiten, hatte manchmal Schwierigkeiten unsere Hände von Futter zu unterscheiden. Er schien in seiner eigenen kleinen Welt zu leben. Nach einer Weile begann die Krankheit Probleme für sein Leben im Gehege sowie für die Arbeit mit uns darzustellen. Er rannte regelmäßig in den Zaun und hatte manchmal Schwierigkeiten das Gelände zu bewältigen. Wir standen vor der Wahl ihm entweder ein einsames und verarmtes Leben mit begrenzten Kontakt zu anderen Wölfen und uns zu bieten oder eine andere Art der medizinischen Behandlung zu versuchen. Dadurch schloss sich Dr. Gabriella Kiss von der Ungarischen Gründung für Epileptische Hunde dem Team der Tierärzte an, die um Cherokees's Leben kämpften. Die Änderung der medizinischen Behandlung verbesserte sein Leben – Cherokee war wieder unter uns.
Dennoch, wenn sich das Wetter veränderte, hatte er schlechte Tage. Anfälle folgten Anfällen, sie krümmten seinen Körper U-förmig, nahmen ihm die Kontrolle über seinen Körper, seine Sinne und seinen Verstand. Seine Augen waren getrübt, er schien uns und die anderen Tiere nicht wieder zu erkennen und hatte Angst vor den vertrautesten Dingen. Jetzt ist es vorbei. Mit seinem Körper sind auch die Anfälle und die schlechten Tage vorbei. Er war – und bleibt – das weiße Mitglied des schwarzen Rudels.