Unser erstes Rudel entsteht

News, 16.08.2009, Kurt Kotrschal


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EIN Wolf ist KEIN Wolf wie man weiß. Wölfe wie andere Wirbeltiere sind individuell durchaus über ihre Zugehörigkeit zu einer sozialen Einheit, ihrem Rudel definiert. Denn was man ist und was man tut, wofür man sich interessiert und wie klug man ist, bestimmt nicht nur die eigene Persönlichkeit, sondern vor allem die Beziehung zu den anderen. So sind Wölfe und Menschen vor allem durch ihre sozialen Rollen definiert, und die kann man nun mal nur im Sozialverband ausbilden.

Darum ist die Rudelbildung aus den drei Jährlingen Aragorn, Shima und Kaspar mit den sechs heurigen Welpen, Tatonga, Yukon, Geronimo, Nanuk, Apache und Cherokee ein Meilenstein in der Entwicklung des WSC. Genau daran arbeiten wir im Moment (eigentlich ist es mehr Vergnügen, als Arbeit). Im Moment werden die Jährlinge etwa drei mal wöchentlich zu den Welpen gebracht, um einander kennen zu lernen, was offensichtlich ganz hervorragend und ohne Probleme klappt. Erst im Oktober erfolgt dann die endgültige Zusammenführung, da es zunächst besser ist, mit den Welpen zu arbeiten wenn sie noch nicht permanent Teil eines größeren Rudels sind. So wollen wir die Beziehung der Welpen zu uns festigen, um so die Gefahr zu minimieren, dass sie versuchen, einen der Jährlinge gegen uns auszuspielen. Denn was wir dieses Jahr gelernt haben: es wäre naiv und gefährlich, die soziale Kompetenz von Wölfen zu unterschätzen.

Vor mehr als vier Wochen (s. Blog vom 6. 7.) gab es den ersten Versuch, zunächst Aragorn an der Leine und dann auch Shima und Kaspar ins Gehege zu den Welpen zu bringen. Durch den Zaun kennen sie einander ohnehin schon länger und immer öfter heulen die Jährlinge, wenn wir einen oder mehrere Welpen zum Spaziergang ausführen; zudem finden sich immer öfter Shima und Kaspar am Zaun ein, um die Welpen zu locken; manchmal bringen sie ihnen auch Futter zum Zaun. Aragorn tut das kaum, aber man soll sich nicht täuschen, er ist trotzdem am meisten begeistert von den Welpen (s. unten). Mental ist die Rudelbildung also bereits voll im Gang.

Jede der Begegnungen zwischen Jährlingen und Welpen war bislang ein tolles Ereignis ohne jedes (Aggressions)problem. Besonders der große starke Aragorn ist sofort selber ein Welpe, tollt mit ihnen, mit den anwesenden Menschen und auch letztes Mal auch mit Bolita (die ebenfalls sofort ihre üblich Zurückhaltung ablegte) durchs Gehege und lässt sich alles von den Welpen gefallen. Shima ist damit etwas zurückhaltender, aber OK, sie interessiert sich im Welpengehege vor allem für liegengebliebenes Futter und vom Baum fallende Pflaumen, würgt aber wie Kaspar auch den Welpen vor. Diese (verwöhnten Kleinen) begutatchteten das Hervorgewürgte zunächst skeptisch, nur Yukon kostete etwas davon und schließlich verhielten sich die lieben Kleinen, als wären sie Besseres gewöhnt. Lieb, das Futter von Onkel und Tante, aber essen tun wirs dann doch nicht.

Kaspar hat gewisse Probleme mit den aufdringlichen Welpen; wie die meisten unserer Hunde auch, er reagiert mit Knurren (klingt nicht böse, aber immerhin), mit gefletschten Zähnen und Schnauzenbiss, was die Welpen aber nicht hindert, sich für ihn zu begeistern. Aber er ist doch von ihnen fasziniert. Von Besuch zu Besuch geht es besser, jetzt hält erś schon 10 Minuten im Welpengehege aus, bevor er wieder verlangt, ins eigene Gehege entlassen zu werden. Armer Kaspar, wenn die Welpen mal nicht mehr gehen werden!

Aragorn dagegen kann nicht genug davon bekommen. Gewöhnlich endet der Spielanfall auf dem Strohaufen, mit Aragorn auf dem Rücken und alle Welpen, Menschen und den einen oder anderen Hund auf und um ihn. Sein Maulspalt endet dann bei den Ohren und Knurren kommt nicht vor. So, als wär er selber gerade drei Monate alt. Wenn mans nicht gesehen hat, glaubt mans nicht. Anschließend brauchts viel Geduld und Überlegung, ihn wieder in sein Gehege zurückzubringen. Natürlich sind wir gewahr, dass es sich um Wölfe handelt, darum sind wir so überrascht, wie gut alle mit der Situation zurecht kommen und dass die Jährlinge weder die Welpen noch irgendwelches gefundenes Futter gegen uns verteidigen. Und natürlich ist uns klar, dass sich das im Winter, mit der Geschlechtsreife der Jährlinge rasch ändern kann. Vorsicht bleibt die Mutter der Wolfshaltung. Im Moment allerdings sind wir glücklich darüber, wie gut und reibungslos das alles funktioniert.


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