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Forschungs Blog, 25.02.2011, Friederike Range
Tiere, die den Blicken anderer folgen, erhalten damit wichtige Informationen für soziale Interaktionen und für ihr Überleben. Doch nur wenige Arten wie Menschenaffen oder Raben besitzen die kognitiven Fähigkeiten, dies auch zu tun, wenn man sich um einer Barriere herumbewegen muss, um zu sehen, was der andere sieht.
Die Zusammenfassung unserer zweiten Publikation finden Sie hier.
Von Friederike Range & Zsofia Viranyi
Wohin schaust Du? Was siehst Du? Tiere, die den Blicken anderer folgen, erhalten damit wichtige Informationen für soziale Interaktionen mit Artgenossen und für ihr Überleben. Gleichzeitig kann ein Tier aus der Blickrichtung eines Partners und dem was er sieht oft dessen nächste Handlung ableiten und entsprechend reagieren. Dabei unterscheiden ForscherInnen zwischen dem Folgen eines Blickes in die Ferne und dem Folgen des Blickes um eine Barriere herum.
Folgt ein Tier dem Blick in die Ferne, so ist das ein relativ einfacher kognitiver Mechanismus – wahrscheinlich eine angeborene Prädisposition, sich mit anderen zu orientieren, die durch assoziatives Lernen verstärkt wird. Dementsprechend können viele verschiedene Tierarten dem Blick anderer in die Ferne folgen. Nur wenige Tierarten beherrschen aber das Folgen des Blickes um eine Barriere herum; nachgewiesen ist es bislang lediglich bei Raben, Menschenaffen und einigen wenigen anderen Affenarten. Das Tier muss in diesem Fall erst um eine Barriere herumgehen, um zu sehen, wo der Partner auf der anderen Seite hingeschaut hat. Dies ist kognitiv sehr viel komplexer.
Das Blickverhalten von Wölfen haben wir nun am Wolf Science Center untersucht. Die Fähigkeit des Blickes um eine Barriere wird insbesondere kompetitiven oder kooperativen Tierarten nachgesagt. Wölfe stehen hierfür geradezu prototypisch: Sie ziehen den Nachwuchs gemeinsam auf, jagen gemeinsam und verteidigen ihr Revier gemeinsam. Die in dem Fachjournal PLoS ONE veröffentlichten Ergebnisse bestätigten, dass unsere neun Wölfe dem Blick von Menschen in die Ferne bereits nach 14 Wochen folgten. Nach sechs Monaten folgten sie dem Blick sowohl von Artgenossen als auch von Menschen um eine Barriere herum.
Mehrere Untersuchungen lassen vermuten, dass dem Folgen eines Blickes in die Ferne und um Barrieren herum unterschiedliche kognitive Mechanismen zugrunde liegen. Die Ergebnisse dieser Studie unterstützen diese Theorie. Unsere Wölfe folgten dem Blick anderer erst drei Monate später um die Barriere herum als in die Ferne. Außerdem haben sie nach ein- oder zweimaligen Wiederholen des Blickes im Falle der Barriere aufgehört, die andere Seite genauer zu betrachten. Allerdings, wenn ein Demonstrator wiederholt in die Ferne blickte, haben die Wölfe immer wieder geschaut, ob doch etwas zu sehen ist – auch nach 10 solchen Wiederholungen.
Die Untersuchungen über den Einblick eines Tieres in die geistige Welt eines Artgenossen zählen zu den großen Themen der Kognitionswissenschaft. Das Folgen des Blickes eines Artgenossen ist ein erster Schritt zu der 'Theorie des Geistes', also der Erkenntnis eines Tieres, dass Artgenossen auch ein bestimmtes Wissen haben und Intentionen, die sich von den eigenen unterscheiden.