Haben Sie keine Zeit, täglich unseren Tagebucheintrag zu lesen? Dann registrieren Sie sich für unseren monatlichen, elektronischen Newsletter
Forschungs Blog, 05.09.2009, Friederike Range
Geschafft! Zusammen mit unseren engen Kooperationspartnern aus Ungarn haben wir eine Studie über das Verstehen von Zeigegesten bei Wölfen und Hunden in der wissenschaftlichen Zeitung Plos One veröffentlicht. Kaspar, Shima und Aragorn haben für diese Studie super mitgearbeitet!
Hier finden Sie eine Zusammenfassung der Studie:
Wie Hund-Wolf Unterschiede durch die Verwendung von menschlichen Zeige-Gesten erklärt werden können: Selektion für synergetische Veränderungen während der Entwicklung von einigen sozialen Fähigkeiten
Márta Gácsi, Borbála Győri, Zsófia Virányi, Enikő Kubinyi, Friederike Range, Beatrix Belényi & Ádám Miklósi
Hintergrund
Hunde sind im Allgemeinen sehr gut darin Zeigegesten von Menschen zu verstehen. Der Vergleich von solchen kommunikativen Fähigkeiten bei sozialisierten Caniden könnte dabei helfen die Evolution und Epigenese von Gestenverständnis beim Menschen zu verstehen. Um vorangegangene diskrepante Ansichten über die überragenden Leistungen von Hunden und die schlechte Leistung von Wölfen in der Nutzung von menschlichen Gesten neu zu bewerten, schlagen wir vor, dass Hund-Wolf Unterschiede auf komplexere Art und Weise untersucht werden sollten.
Methode/Ergebnisse
Wir präsentieren Daten, die sowohl die Leistung als auch das Verhalten von Hunden und Wölfen verschiedenen Alters bei einem Objekt Test mit zwei Möglichkeiten betreffen. Bei diesem Versuch zeigt der Mensch durch eine Zeigegeste an, in welchem von zwei Behältern ein Stück Fleisch versteckt ist.
Zwischen den Arten gab es charakteristische Verhaltensunterschiede in jeder Altersklasse. Bei den Wölfen dauerte die Aufnahme vom Augenkontakt mit dem zeigenden Experimentator länger, sie wehrten sich mehr gegen die Betreuerin und die Welpen bissen diese auch öfters bevor sie sich auf das menschliche Signal konzentrieren konnten.
Die Leistung von gleichartig handaufgezogenen 8 Wochen alten Hunden und Wölfen unterschieden sich nicht bei der Verwendung von einfachen menschlichen Signalen, dem nahem kurzzeitigen Zeigen (Distanz zwischen Behälter und Zeigefinger 15 cm). Wie auch immer, bei dem Test mit fernem, kurzzeitigen Zeigen (Distanz zwischen Behälter und Zeigefinger 1.5 Meter) übertrafen die 4 Monate alten Hundewelpen gleich alte, handaufgezogene Wölfe. Diese Ergebnisse zeigen, dass frühzeitige und intensive Sozialisierung nicht ausreicht, um Unterschiede zwischen jungen Hunden und jungen Wölfen im Verhalten und in der Leistung zu mindern. Aber sozialisierte erwachsene Wölfe schnitten in diesem Versuch ohne Vortraining gleich gut ab wie Hunde. Dieser Erfolg der erwachsenen Wölfe wurde von einer höheren Bereitschaft zur Kooperation mit dem Menschen begleitet.
Folgerung/Aussagekraft
Damit legen wir zum ersten Mal den Beweis vor, dass sozialisierte, erwachsene Wölfe genauso gut abschnitten wie erwachsene Hunde, wenn sie sich auf fernes kurzzeitiges Zeigen verließen. Die im Bezug auf das Alter verzögerte Anwendung von menschlichem, fernen, kurzzeitigen Zeigen bei Wölfen zeigt, dass diese wilden Caniden zu einem geringeren Ausmaß auf intensive Sozialisierung reagieren wie Hunde. Diese sind früh in ihrer Entwicklung fähig, bei einem Test mit Futter agonistisches Verhalten zu kontrollieren und eher bereit mit dem Menschen zu kooperieren.
Die Ergebnisse unterstützen unsere synergetische Hypothese, die vorschlägt, dass positive Rückmeldungsprozesse (beide evolutionär und ontogenetisch) die Bereitschaft von Hunden erhöhten, Menschen Aufmerksamkeit zu widmen und damit die Basis für komplexe Formen von Hund-Mensch Kommunikation schaffen.
Um die ganze Veröffentlichung zu lesen, klicken Sie bitte hier.