Prof. Dr. Kurt Kotrschal

Leiter und Gründer
Kontakt kurt.kotrschal@univie.ac.at
Dabei seit 2008
Lieblings- Wolfsgeschichte Die Sage vom Fenriswolf
Lieblingstier am WSC alle Hunde und Wölfe, die Vögel im Wildpark
Begleiter Bolita

Es war ein langjähriger Traum, mit Wölfen zu arbeiten und so unserer Arbeit an der Konrad Lorenz Forschungsstelle (KLF; http://klf.univie.ac.at/news/) mit allen möglichen Vögeln um Säugetiere zu ergänzen. Friederike kam schon 2002 als Verbündete vorbei, aber erst als wir 2008 ein Dreierteam mit Zsofi bildeten, trauten wir uns, zusammen ins „kalte Wasser“ zu springen. So sind wir seitdem voll mit Wissenschaft und Management am WSC beschäftigt und es wars wert. Schritt für Schritt entwickelt sich das Wolfsforschungszentrum in einen großartigen internationalen Forschungsbetrieb für Menschen, Wölfe und Hunde.
Neben manchen Managementaufgaben bin ich am meisten involviert in die Handaufzucht, in den Umgang mit den Tieren, in die Arbeit mit Studenten und in die Kommunikation mit der Öffentlichkeit und in bestimmte Forschungsaufgaben. Dazu zählen soziale Beziehungen, Stresshormone, Verhalten und bestimmte Aspekte kooperativen Verhaltens, die wir beispielsweise mit Leinenspaziergängen testen. Ich habe mich auch um das Laufband bemüht, mit 2,5x10m Lauffläche übrigens das größte der Welt, das wir für Versuche zur sozialen Jagd bei Hunden und Wölfen einsetzen werden. Aber es wäre falsch, zu glauben, ich wäre „nur“ an der Wissenschaft interessiert. Tatsächlich gibt’s mehr schöne Momente am WSC, in der Arbeit mit den Tieren und den Kollegen. Harmonische Zusammenarbeit zwischen Menschen, Wölfen und Hunden kann auch glücklich machen.

Mein Lieblingstier am WSC? Das sind natürlich alle Wölfe und Hunde. Aber auch die vielen Spechte und anderen Vögel, die den Parkwald von Ernstbrunn bevölkern, in welchem das WSC eingebettet liegt. Jahrüber erfreuen uns ihre Gesänge und ihre Farben. Und kaum je ist ein Vogel zu unaufmerksam, um von einem unserer Wolfspartner erbeutet zu werden.

Eine der Särken des WSC liegt im unterschiedlichen Hintergrund und Interessen seiner GründerInnen, Friederike, Zsofi und ich selber. Im Mai 1953 wurde ich in Linz geboren, schon als Biologe, was ich dann durch ein Studium der Biologie in Salzburg. Dort schloss ich 180 mit dem Doktorat ab und habilitierte bereits 1984. Mit Familie war ich immer wieder zu Forschungsaufenthalten im Ausland, vorwiegend in den USA. Zunächst forschte ich vergleichend anatomisch und physiologisch an Fischen, 1990 mutierte ich mit der Übernahme der Konrad Lorenz Forschungsstelle in Grünau (www.klf.ac.at) im Ausftrag der Uni Wien zum Verhaltensbiologen, der mit vielen Studenten und Postdocs erfolgreich am Sozialverhalte und den geistigen Fähigkeiten von Vögeln arbeitetet. Darauf wurzelt letztlich
auch das WSC, das wir an der KLF gründeten, aber ein Jahr später nach Ernstbrunn übersiedelten, wo sich uns exzellente Abeitsbedingungen boten.

Meine Lieblings- Wolfsgeschichte ist "Der Fenriswolf" aus der germanischen Edda Saga. Nicht etwa, weil diese Erzählung so blutig und gewalttätig wäre, oder als Beispiel für die
gefährlich-verschlagenen Wölfe, sondern als wunderbares Beispiel der Projektion des Zustandes einer Gesellschaft auf den Wolf, was zu allen Zeiten und vielen Kulturen bis heute geschieht. Die Fenriswolf-Erzählung spiegelt in großartiger Weise die germanische Macho- Krieger- und Blutrachegesellschaft. Ein anderer faszinierender Aspekt des Fenriswolfs liegt in der immensen Macht, die einem Wolf zugeschrieben wird, die sogar
die Macht der allzu menschlichen Götter im germanischen Olymp übertrifft und sie überdauert. Tahtsächlich war es der Wolf, der die Götterdämmerung einleitete und die Macht der Götter beendete. Nach dieser Erzählung verfolgen aber immer noch zwei Nachkommen des Fenriswolfs Sonne und Mond und werden sie eines Tages verschlingen, was den Weltuntergang bedeutet.
Die Geschichte kann auch als Parabel für den finalen Sieg des Animismus mit seinen Tiertotems über moderne anthropozentrische Religionen mit menschenähnlichen Göttern gelesen werden. Diese Saga ist zudem ein hervorragendes Beispiel für die überragende Rolle, die Wölfe in der Menschlichen Spiritualität und Mythologie spielten.


Über die letzten 20 Jahre war ich Assistenzprofessor an der Universität Wien, 2011 wurde ich zum österreichischen Wissenschaftler des Jahres 2010 gewählt und kurz darauf wurde ich zum Professor an   der Uni Wien. Kollegen wie  Thomas Bugnyar, Eva Millesi, Tecumseh Fitch, Walter Hödl und Ludwig Huber bieten ein stimulierendes akademisches Umfeld in einem weltweiten Netz von Kollegen und Institutionen, welches wissenschaftlich
Arbeit tagtäglich zum spannenden Erlebnis werden lässt. Eingebettet sind wir in die phantastisch unterstützende Uni Wien. Besondere Freude bereiten die Erfolge und Ergebnisse, die wir in den letzten 10 Jahren im Rahmen der Forschungsgruppe für Mensch-Tierbeziehung erarbeiteten (http://mensch-tier-beziehung.univie.ac.at).

Als Ergebnis der letzten Jahrzehnte gibts mehr als 200 unter peer review publizierte Originalarbeiten, ein paar Buchartikel und Bücher. Biologie war immer mein Hobby  man bezahlt mich sogar dafür! Das WSC mit aufzubauen und dort mit Menschen, Hunden und Wölfen zu arbeiten zählt sicherlich zu den Höhepunkten in meinem Leben. Wenn ich mir was wünschen könnte, dann wären das 4 Wochen Urlaub für eine jährliche Zeitreise in die
Jungsteinzeit, um dort mit unseren Vorfahren und Wölfen auf die Jagd zu gehen und mit Neandertalern zu plaudern. Ein wunderbarer Traum, aber natürlich war die Steinzeit sicherlich keine bessere Zeit als heute, mit einem völlig anderem Leben, obwohl wahrscheinlich die Menschen in ihren wichtigsten Interessen, Freuden und Ängsten nicht so von uns verschieden gewesen sein mögen.