Enrichment

Oder: Spannung, Spiel und Überraschung

Environmental enrichment" am WSC

 Neben der täglichen wissenschaftlichen Arbeit bieten wir unseren Tieren zusätzliche Reize und Beschäftigung, um ihre Lebensqualität zu erhöhen. So kann Enrichment direkt auch als Bereicherung übersetzt werden- da der Begriff sich eingedeutscht hat, werden wir ihn so weiterverwenden.

Das generelle Ziel von „environmental enrichment“ ist die Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens von Tieren, die in Gefangenschaft leben, indem artspezifisches Verhalten und eine umfassendere Nutzung des gesamten Geheges gefördert wird. Darüber hinaus können durch diese zusätzliche Beschäftigung Stereotypien vermieden werden.

 Abwechslung und Vielfalt ist dabei das Wichtigste, weshalb wir immer neue Ideen einfließen lassen. Es gibt 5 verschiedene Kategorien des Enrichments, die sich nicht komplett voneinander trennen lassen. Viele Aufgaben, die wir am WSC den Tieren geben, werden zwar nicht zum Zweck des Enrichments durchgeführt- können aber sehr wohl auch dazu gezählt werden.

Soziales Enrichment 

Erreichen wir, indem wir die Tiere in Rudeln halten. Als Teil unserer Arbeit besuchen wir sie regelmäßig in den Gehegen. Die Spaziergänge können auch als soziales Enrichment betrachtet werden.

Kognitives Enrichment

Diese Kategorie bezeichnet alles, was das Tier mental stimuliert oder neue Erfahrungen erzeugt. In unserem Fall sind das die täglichen Kognitionstests und das Training, die den Hauptteil der Arbeit mit den Tieren am WSC ausmachen.

Habitateigenschaften 

Die physischen Eigenschaften der Umwelt (bei unseren Tieren die Umwelt ihres Geheges) können den Tieren viel Abwechslung bieten. Unsere Tiere leben in großen, natürlichen Gehegen mit alten Bäumen und einer abwechslungs- und strukturreichen Vegetation. Wir bieten ihnen Schutzhütten, Versteckmöglichkeiten, Teiche und Aussichtsplattformen.

Enrichment für die Sinne

Alles, was den verschiedenen Sinnen der Tiere Abwechslung bietet:

Geruchsinn

Wir benutzen dafür verschiedenste Dinge, die den Tieren neue Gerüche bieten. Sie werden auf dem Boden verstreut, in Stroh versteckt oder z.B. an die Bäume gestrichen. Kräuter, Gewürze, altes Heu, Silo, frische Schafwolle ... Die Wölfe und Hunde lieben es, daran zu schnüffeln oder sich darin zu wälzen.

Sehen

von mehreren Gehegen können potentielle Beutetiere beobachtet werden, da in den anliegenden Gehegen Sikhawild, Steinböcke oder Mufflons untergebracht sind. Ein anderes Beispiel für „visuelle Bereicherung“ sind die Besucher mit ihren Hunden, auf die unsere Tiere direkt reagieren.

Enrichment über Futter

In diese Kategorie fällt jede Form von Futtergabe, vor allem wenn es so dargereicht wird, dass die Tiere arbeiten müssen, um es zu erreichen.

Einmal die Woche verteilen wir „Leckerlis“ wie Trockenfutter überall im Gehege (Boden, Hohlräume, Baumritzen ... ) und streichen Ketchup, Mayonnaise, Honig auf oder an die Hütten, hoch an die Bäume, tief unter Wurzelstöcke. Regelmäßig verstecken wir das Futter auch in Kartonboxen oder in gefrorenem Wasser („Eislollies“).

Die Tiere verbringen so mindestens 20 Minuten mit Suchen und Erkunden, auch die Nutzung des gesamten Geheges wird gefördert.

Unbekannte Nahrung

Dies ist eine andere Form, des „environmental enrichment“ über Futter. Große Kürbisse (link), Wassermelonen, versteckte (Oster)Eier oder andere Neuheiten werden zu besonderen Anlässen im Gehege verteilt.