Leben wir mit Wölfen im Hundepelz zusammen? Kommunikation und Problemlösungsverhalten von Wölfen und Hunden, die von Menschen aufgezogen wurden

Antragsteller Zsófia Virányi & Friederike Range
Partnerinstitution Wolfpark USA
Geldgeber Hochschuljubiläumsstiftung der Stadt Wien
Laufzeit 1.3.-1.8.2009
Wissenschaftliche Mitarbeiter Helene Möslinger
Publikationen Verständnis der Verbindung zwischen Hilfsmittel und Endzustand: Ein Seilzieh Versuch

Hunde waren schon immer ein Teil der menschlichen Gesellschaft und nehmen in unserem Leben viele verschiedene Rollen ein. Sie wurden gezüchtet und trainiert für verschiedenste Zwecke, zuerst als Wach- und Jagdhund, als Kamerad des Menschen, heute auch zum Unterstützen behinderter Menschen bis hin zum Einsatz als Rettungs-, Such- und Polizeihunde. In all diesen verschiedenen Tätigkeitsbereichen sind die Hunde auf ihre mentalen Fähigkeiten angewiesen: sie müssen viele Dinge lernen und oft eigene Entscheidungen treffen. Hunde stammen vom Wolf ab, und obwohl wir wissen, dass sie sich im Zuge der Domestikation in verschiedenen Aspekten an das Zusammenleben mit den Menschen angepasst haben, ist nach wie vor nicht geklärt, ob ihr Denken noch immer „wolfartig“ funktioniert oder ob sich auch ihr Problemlösungsverhalten und Lernvermögen geändert hat.

Eine Hypothese nimmt an, dass Hunde im Zuge der Domestikation etwas von ihrer kognitiven Intelligenz eingebüßt haben. Eine grundlegende Annahme dabei ist, dass die Menschen viele Probleme für sie gelöst haben, während Wölfe mit den Herausforderungen der Wildnis selbst zurechtkommen mussten. Eine zweite Hypothese hingegen geht davon aus, dass Hunde nichts von ihrem physikalischen Verständnis verloren haben, sie aber empfindsamer für menschliche Einflüsse geworden sind und dadurch ihr Verhalten mehr vom menschlichen Verhalten als von eigenständigen Schlussfolgerungen ihrer physikalischen Kausalitäten geleitet wird.  

Die verfügbaren wissenschaftlichen Daten über das physikalische Verständnis von Hunden sind erstens sehr rar und widersprüchlich, zweitens wissen wir nicht, ob ihre Leistung mit jener von Wölfen vergleichbar oder schlechter ist. Um mehr darüber in Erfahrung zu bringen, planen wir in diesem Projekt das physikalische Verständnis von Hunden mit einer neuen Methode zu untersuchen. Im Vergleich dazu werden das physikalische Verständnis der Wölfe sowie deren Sensitivität auf menschliche soziale Zeichen und nicht soziale Bewegungssignale getestet.

Da wir untersuchen wollen, ob die Domestikation die mentalen Fähigkeiten der Hunde verändert hat, muss sichergestellt werden, dass mögliche Unterschiede zwischen Hunden und Wölfen nicht aufgrund unterschiedlicher individueller Erfahrungen herrühren. Benötigt werden deshalb Wölfe, die wie Hunde vergleichbare Erfahrungen mit Menschen haben. Darum werden wir von Menschen per Hand aufgezogene Wölfe in Wolfpark, USA testen. Dies ist weltweit die einzige Forschungseinrichtung, wo eine größere Anzahl erwachsener, per Hand aufgezogener Wölfe für wissenschaftliche Untersuchungen zur Verfügung steht. Der Vergleich der Leistung in kognitiven Tests von Hunden mit per Hand aufgezogenen Wölfen wird zeigen, ob sich die Kognition bei Hunden im Laufe der Domestikation entwickelt und ggf. verändert hat oder ob die mentalen Fähigkeiten der Wölfe bei Hunden geblieben sind.